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Wie Claude tickt – und was es nicht kann

Was ein KI-Sprachmodell wirklich ist: Wahrscheinlichkeiten statt Wissensdatenbank, warum Halluzinationen entstehen und wo die Grenzen liegen.

beginner · 20 min

Was ein Sprachmodell ist – und was nicht

Claude ist ein KI-Sprachmodell. Trainiert auf riesigen Textmengen, macht es im Kern eine Sache extrem gut: das nächste Wort vorhersagen.

Es ist keine Suchmaschine, keine Datenbank und kein Lexikon, das Fakten „nachschlägt”. Es erzeugt Sprache, die zu deiner Eingabe passt.

Wahrscheinlichkeiten statt Wissensdatenbank

Prompt: „Der Himmel ist"

Nächstes Wort — geschätzte Wahrscheinlichkeit

  • blau62%
  • bewölkt18%
  • grau9%
  • weit6%
  • klar5%
Claude schlägt nichts nach — es schätzt das wahrscheinlichste nächste Wort. Deshalb klingt Falsches manchmal genauso flüssig wie Richtiges.

Bei jedem Wort schätzt das Modell, was am wahrscheinlichsten folgt – aus Mustern, die es im Training gesehen hat. Daher die Sprachgewandtheit. Und genau deshalb kann eine falsche Antwort genauso flüssig klingen wie eine richtige.

Was Claude gut kann – und was nicht

✓ Stark bei

  • Texte schreiben, umformulieren, zusammenfassen
  • lange Dokumente erklären & strukturieren
  • Code lesen & erklären, Entwürfe iterieren
  • Ton, Sprache und Format treffen

✗ Vorsicht bei

  • aktuelle Fakten ohne Web-Werkzeug
  • exakte Mathematik / große Rechnungen
  • sich selbst zuverlässig prüfen
  • garantiert korrekte Zitate & Zahlen

Halluzinationen erkennen

Wenn das Modell etwas nicht „weiß”, erfindet es manchmal etwas Plausibles – das heißt Halluzination.

  • Neuere Modelle tun das deutlich seltener und sagen eher „das weiß ich nicht”.
  • Trotzdem gilt: bei Fakten, Zahlen, Zitaten, Rechtsfragen → gegenprüfen.

Das Kontext-Fenster

Claude kann nur eine begrenzte Menge Text gleichzeitig berücksichtigen – das Kontext-Fenster. Alles im Gespräch zählt hinein: deine Prompts, hochgeladene Dokumente und Claudes eigene Antworten.

  • Sehr lange Dokumente können abgeschnitten werden.
  • Praxis: gezielt die relevanten Teile schicken statt „alles reinkippen”.
  • Bei langen Chats das Wichtige zwischendurch zusammenfassen lassen.

Claude, ChatGPT, Gemini – kurz eingeordnet

ModellSchwerpunkt im Alltag
Claude (Anthropic)sorgfältiger, ehrlicher Ton; stark bei langen Texten & Code; eigenes Tooling (Claude Code, Projects, Skills)
ChatGPT (OpenAI)großes Ökosystem, viele Integrationen
Gemini (Google)enge Anbindung an Google Workspace

Alle drei sind starke Assistenten – ohne Glaubenskrieg. Hier geht es um Claude, aber das meiste (Prompts, Grenzen, Datenschutz) gilt für alle.

Kurz geprüft

Warum klingt eine falsche Claude-Antwort manchmal genauso überzeugend wie eine richtige?

Kernpunkte

  • Claude sagt das wahrscheinlichste nächste Wort vorher – keine Datenbank.
  • Halluzinationen entstehen, wenn Plausibles wichtiger wird als Korrektes – neuere Modelle seltener, aber: prüfen, was zählt.
  • Das Kontext-Fenster ist begrenzt – gezielt füttern.
  • Weiter mit Teil 2 – Welches Modell für was: warum die Version den Unterschied macht.
Wie Claude tickt – und was es nicht kann · © grigoriadis 2026